Wir müssen jetzt ernsthaft damit beginnen, den PSI-Begriff zu entmythologisieren. Jeder hat PSI, jeder kann es und jeder sollte es zur Verbesserung seiner Lebensumstände benutzen - ohne ein Märchen daraus zu machen. Dies spielt ohnehin nur Sekten und anderen Kult-orientierten Herrschaftsgesellschaften in die Hände.

Ausgehend von neuesten Forschungsergebnissen zeigt Deutschlands führender Remote Viewing-Autor konkrete Möglichkeiten auf, mittels trainierter PSI-Fähigkeiten die eigene Zukunft hin zu Erfolgszielen und Wunscherfüllung zu verändern. Wenn mittlerweile Stephen Hawking die wissenschaftlichen Grundlagen der Existenz von Remote Viewing und anderen PSI-Phänomenen erklärt, sollte wir nicht zögern, damit zu arbeiten.

 

Leseprobe:

Die Kollektion des Unmöglichen

Remote Viewing - Themen ordnen sich hauptsächlich in zwei großen Gruppen. Auf der einen Seite stehen die allgemeinen Inhalte, Fragen nach historischen, technischen oder allgemein mystischen Aufklärungen. Wie oft kamen angehende Viewer zum Training, weil sie unbedingt wissen wollten, was unter den Pyramiden liegt oder wie ein Perpetuum-Mobile funktioniert. Oder was Napoleon bei Waterloo zum Frühstück aß.

Die andere Gruppe enthält die persönlichen Themen, und diese sind dann immer sehr persönlich, also privat. Es ist immer wieder problematisch, darüber zu referieren, weil damit oft zum besseren Verständnis auch intime Inhalte vor einem größeren Auditorium ausgebreitet werden müßten. Nun beschäftigt sich dieses Buch aber genau mit diesem Themenbereich. Wie schaue ich meine Zukunft und wie verbessere ich die kommenden Entwicklungen, ist hier aufzuklären, und am besten geht das eben mit Beispielen. Und das sind nicht die Karrieren historischer, aber toter Personen (was wäre geworden, wenn...) oder der zukünftige Werdegang einzelner Gesellschaften bzw. der gesamten Menschheit, sondern Beispiele aus dem persönlichen Bereich, denn keinen anderen kennt man so gut und kann so effizient überprüfen.

Als ich mich entschloß, dieses Buch zu schreiben, wurde mir bewußt, daß ich -bis zu einem bestimmten Grad - persönliche Erlebnisse würde offenlegen müssen. Da muß man hindurch.

Aus dem letzten Kapitel sind natürlich noch einige Fragen offen, die allein durch die Zitate der Sessions angerissen wurden. Hauptsächlich fällt einem natürlich dieser sexuellen Aspekt ein, den Simone sofort mit einer Tänzerin verband, die für Geld vor Männern tanzt, und die sie nicht sein wollte. Sie konnte diese Daten nicht von denen trennen, die sie sonst für das Target hatte. Deshalb konnte man nachher, in vertrauter Runde durchaus einige Scherze zum Thema hören. Das muß man aushalten, wenn man andere nach seiner Zukunft schauen läßt. Es kam aber doch etwas anders.

Bereits am Tag nach meinem Treffen mit Tina im Madonna erreichte mich ein Anruf eines alten Bekannten, mit dem ich bei früheren Filmproduktionen zusammengearbeitet hatte, allerdings schon zehn Jahre zurück. Er hätte jetzt eine neue Firma aufgemacht, für die es gälte, Videos zu erstellen. Gedreht hätte er schon, er suche jetzt nach einem günstigen und kompetenten Schnittstudio.

Am nächsten Donnerstag war er da. Die erste Produktion beschäftigte uns vier Tage, und im Verlauf dieses und der nächsten Jahre kamen weitere hinzu, denn diese Videos waren sehr erfolgreich. Es war tatsächlich ein "optimaler" Job. Inhaltlich ging es um Models mit großer bis sehr großer Oberweite, die diese entblößten und dann- naja, tanzten. Nichts weiter, kein Hardcore oder was man sonst vermutet, nur tanzten. Natürlich für Männer, natürlich zum Anregen, natürlich für Geld. Danke, Simone, und ich glaube dir auch deine persönliche Distanz dazu. Schade nur, daß wir die Daten nicht voneinander trennen konnten. Ich muß allerdings zugeben, daß ich nach diesen Sessions nicht wirklich erwartet hatte, daß eine Striptease-Tänzerin mein persönliches Seelenheil bewerkstelligen sollte. Und wenn man es genau bedenkt, hatte mindestens Simone die Tänzerin und die "Frau, die etwas aus der Vergangenheit kommen sollte", garnicht miteinander verknüpft. Es waren auf dem Papier völlig getrennte Eindrucksblöcke, wir hatten sie nur zusammengezogen, weil es logisch schien.

Das ist eine weitere wichtige Erkenntnis. Nicht nur, daß man die gesamte Vorgeschichte eines Ereignisses viewen müßte, um eine zuverlässige Zukunftsklärung zu erstellen, man muß sich zusätzlich davor hüten, scheinbar zusammengehörende Komplexe auch en bloc zu betrachten. Nun könnte man einwenden, diese Sessions seien sowieso etwas mager gewesen. Sicher hätte man natürlich mit fertig ausgebildeten, erfahreneren Viewern mehr Daten gewinnen und trennen können, Arbeits- und private Aspekte zuordnen und das alles in der zur Verfügung stehenden Zeit. Das hatten wir aber nicht, und ein momentaner Status ist immer der, der gerade vorliegt: man hat, was man hat. Und Simone hatte gerade ein einziges Trainingswochenende hinter sich. Eine bessere Voraussetzung war nicht zu haben, damit muß man immer wieder fertig werden. Diese oder ähnliche unbefriedigende Situationen nennt man gemeinhin auch "Alltag".

Auch bei größer angelegten Remote Viewing-Projekten kommt es vor, daß in einem Stadium, in dem man durchaus noch nicht Schluß machen möchte, einfach kein "unverbrauchter" Viewer mehr zur Verfügung steht und man auch niemand mit "Frontloading" hineinschicken möchte. Dann hilft nur gründliche und unvoreingenommene Analyse der vorliegenden Daten. Davon aber später mehr.

Wenn ich im letzten Kapitel beschrieben habe, wie ich mittels Remote Viewing eine Frau kennengelernt habe, was schon sehr erstaunlich ist, so ist das doch auch nur die halbe Wahrheit, und das gilt mit Sicherheit für alle Projekte, die irgendwie mit der Zukunft zu tun haben, ganz besonders mit der eigenen. Der Effekt, der in jedem Fall hinzukommt, ist die "sich selbst erfüllende Prophezeihung", wie die Engländer es als geflügeltes Wort formuliert haben. Man kann auch ganz einfach "Wünschen" dazu sagen.

Soweit es meine Erfahrungen betrifft, bin ich nicht mehr bereit, jemanden zu akzeptieren, der behauptet, er hätte nur ganz neutral in der Zukunft nachgeschaut und abgewartet, was sich erfüllt. Eine eigene Stellungnahme ist immer dabei. Es gibt immer einen Ausgang einer Entwicklung, den man mehr bevorzugt. Und diesen wünscht man sich dann auch.

Spätestens jetzt wird ein normal naturwissenschaftlich aufgewachsener Mitteleuropäer dieses Buch zur Seite legen wollen, denn: der Wunsch ist doch nur der Vater der Gedanken... oder etwa nicht? Remote Viewing kann man ja vielleicht noch akzeptieren, aber wünschen? Kann es tatsächlich etwas ausrichten, wenn man sich etwas "nur" wünscht?

"So ein Quatsch," wird unser cooler Mitteleuropäer einwenden, "dann wäre ich schon Lotto-Millionär!" Dagegen ist in Kürze sehr schwer etwas einzuwenden. Die Wahrheit ist einfach, daß diese Betrachtungsweise zu eindimensional ist, und daß für die etwas komplexere Erklärung niemand Zeit finden will. Ich nehme mir diese Zeit, hier in diesem Buch. Wer mir nicht folgen will, mag gern abbrechen und meinetwegen das Buch in den Papierkorb werfen. Kein Problem.

Für die anderen habe ich eine Kiste voller Ereignisse bereit, die ich Stück für Stück auspacken möchte. Nur an Beispielen kann man etwas aufzeigen oder gar beweisen. Unser Hauptproblem ist natürlich, daß wir keine wissenschaftlich haltbare Laborsituation aufstellen können. Keines der persönlichen Erlebnisse wird sich genau so wiederholen lassen, aber an der Menge und Art der Erlebnisse lassen sich doch einige Hypothesen erhärten. Folgen Sie mir einfach unauffällig in meine Kollektion des (eigentlich) Unmöglichen. Vielleicht werden Sie in Ihrer eigenen Vergangenheit Ähnliches finden.

Als erstes ist natürlich die Geschichte mit dem Kennenlernen von Tina abzuschließen. Es wäre sehr unredlich von mir, zu behaupten, ich hätte mir eine neue Beziehung nicht auch gewünscht.

Wir haben in Remote Viewing Sessions gesehen, welche Kraft und Attraktivität in emotional geladenen Situationen steckt. Das bezieht sich auch auf die eigene Lebenssituation, wobei klar ist, daß die negativ erfahrenen Erlebnisse die größte Kraft beinhalten, Änderungen einzuleiten. Wer glücklich ist, verschwendet oft keinen Gedanken daran, die eigene Zukunft noch besser zu gestalten.
Somit gehört es zu den Eigenarten des Lebens, in den dunkelsten Stunden das größte Potential für einen Marsch auf ein fernes Zielgebiet zu entwickeln.

Ende der achtziger Jahre war ich zu der Erkenntnis gekommen, daß ich mir zwar ordentlich das Leben hatte um die Nase wehen lassen, ein wirklich aufregendes und erfüllendes Ereignis aber noch ausgeblieben war. Erfolg im Beruf und ein bißchen Berühmtheit hinterließen den schalen Geschmack des Unzureichenden. Ich begriff ziemlich plötzlich, was mir fehlte: Kinder und eine Familie. Es fand sich auch bald eine Frau, mit der ich dieses letzte, große Abenteuer wagen wollte und ich stellte auch alle Anstrengungen unter dieses eine Ziel. Die erste Euphorie nach dem Mauerfall verhalf mir dazu, mein Berliner Haus ertragreich zu verkaufen und in einen Ferienland ein wunderschönes, großes Haus zu erstehen, das das anstehende Glück beherrbergen sollte. Alle, die uns besuchten, bewunderten das Haus, erfreuten sich an den gesunden und aufgeweckten Kindern und beglückwünschten uns zu unserer Lebenssituation. Für mich war der eingeschlagene Weg von einer tiefen Richtigkeit gezeichnet und ich erlebte, wie schön es sein kann, bis hin zur Selbstaufgabe allen Besitz, körperlich und seelische Kräfte in den Dienst dieser einen großen Sache zu stellen. Wer selbst Kinder hat, weiß, wie trotz der durchwachten Nächte und stressigen Tage ein allgemeines Gefühl, den richtigen Platz im Dasein erreicht zu haben, ungeheure Kraft gibt, alle auftretenden Fährnisse zu bewältigen. Alle? Irgend etwas bleibt immer unberücksichtigt.

Ein paar Jahre später mußte ich feststellen, daß mein Konzept gescheitert war.
Geld, Haus, Kinder und Einsatz hatten nicht ausgereicht. Die Frau hatte das Haus verlassen und die Kinder mitgenommen. Die Gründe konnten sein, wie sie wollten, ich selbst mußte mir eingestehen, selbst bei größter Anstrengung nicht die Situation erhalten und die Familie bewahren zu können. Der ganze Ablauf der Auflösung ging mit einer erschreckenden Zwanghaftigkeit vonstatten, die offenbar von nichts aufgehalten werden konnte und für mich auch heute noch vor allem in seiner Irrationalität das größte Ausmaß an Schrecken darstellt, das ich auf keinen Fall noch einmal erleben möchte.

Und so kamen die Tage und vor allem die Nächte, in denen ich ruhelos durch die verwaisten Zimmer strich, und mit den noch vorhandenen Möbeln, Bildern und Dingen des täglichen Gebrauchs überfiel mich die Erinnerung mit einer derart vernichtenden Wucht, daß ich zweifelte, ob es überhaupt ein Konzept gäbe, das Menschen im gegenseitigen Vertrauen zur Bewältigung einer alle bewegenden Aufgabe zusammenhalten könnte. Zur gleichen Zeit waren fast alle Familien in unserem Umkreis auseinander geflogen, was meine Sichtweise einsehbar verschlimmerte.

In solchen Zeiten kann man der Ansicht verlustig gehen, daß ein gemeinsames Konzept mit einem anderen Menschen überhaupt funktioniert. In einer "zufällig" abgehörten Rundfunksendung ergab sich als Essenz, daß geschiedene Ehepartner am meisten die Zerstörung des gemeinsamen Konzeptes bedauerten, vor allen anderen Verlusten. Wenn man sich in dieser Situation etwas wünscht, dann ist es wahrscheinlich ein Mensch, mit dem dieses Konzept eher realisierbar wäre.

Dieser Wunsch kann mit großer Inbrunst gehegt werden, und es sieht auch so aus, als würde dabei emotionale Stärke der Erfüllung behilflich sein. Das ist vielleicht der am einfachsten zu akzeptierende Grundsatz beim Wünschen, dessen Diskussion ich jedoch auf ein späteres Kapitel verschieben möchte. An dieser Stelle würde ich gern auf den Aspekt der Differenzierung beim Wünschen eingehen. Den emotionalen Aspekt sollte man jedoch nicht aus den Augen verlieren, denn er erklärt mindestens teilweise, warum man in der geschilderten Situation schwerlich in der Lage ist, sich jemand Bestimmtes vorzustellen, den man sich wünschen könnte. Wen soll man sich auch speziell wünschen? Einen Popstar? Oder einen real existierenden Partner, der bewiesen hat, daß er das Konzept "Ehe" genauso ernst nimmt? Im ersten Fall würde man einen unannehmbaren Szenewechsel erhalten, im zweiten Fall in eine bereits existierende Beziehung einbrechen. Beides aber führt die Grundforderung des Wunsches ad absurdum. Deshalb bleibt die Beschreibung der gewünschten Person unscharf, und so kommt es schließlich dazu, daß man ein potentielles Klientel als erstes mit der Frage anraunzt: "Warum geht denn hier keiner ans Telefon?" und man sich später mit dem Umstand herumschlägt, die angebotene Alternative sei "nicht mein Typ".

Es war auch für mich schwer, hinzunehmen, daß "Wünschen" und dazu noch ganz spezielles Wünschen einen real existierenden Effekt erbringt, obwohl ich mich schon vorher mit Literatur darüber beschäftigt hatte, und auch schon eine Vielzahl anderer Beispiele von "Erfüllungen" vorlagen. Aber ich stehe in dem Ruf, in Wahrheit ein Skeptiker zu sein, der sich jedesmal die Existenz von PSI neu beweisen muß. Das muß einen aber nicht davon abhalten, Versuchsanordnungen dafür aufzustellen. Der nächste dieser Versuche, von denen ich berichten möchte, kam völlig ohne Remote Viewing aus und wurde unter dem Aktenzeichen "die neue Wohnung" abgelegt.

Tina wohnte in Berlin und ich in Nordfriesland. Nach etwa einem Jahr hatten wir festgestellt, daß wir tatsächlich gut miteinander auskommen können, und sie hatte auch, genau wie in den Session beschrieben, viel Verständnis für meine Situation gezeigt. Dennoch hatten wir diesen Vorgaben mißtraut und sie war nicht nach Nordfriesland gezogen. Um uns dem scheinbar vorgegebenen Schicksal doch nicht ganz auszuliefern, beschlossen wir, ihre bisherige, doch recht kleine Wohnung in Berlin gegen eine größere einzutauschen, die mir auch Raum für meine berufliche Tätigkeit geben könnte. Und weil wir grade so unglaubliche Erfahrungen mit PSI gemacht hatten, (von denen vieles später noch nachgetragen wird, wie z.B. das Löffelbiegen,) wurden wir einfach mal unverschämt. Wir definierten ganz präzise unseren Wohnungswunsch und beschlossen, daß diese Wohnung sich bei uns einfinden sollte, ohne daß wir einen Finger rührten. Für Berlin wahrlich eine Unverschämtheit, wenn man die Einzelheiten dieses Wunsches betrachtet.

Die neue Wohnung sollte drei große Zimmer haben, nahe dem Stadtzentrum gelegen sein und trotzdem höchstens 1200.- DM warm kosten. Weiterhin sollte sie sich trotz zentraler Lage irgendwie "im Grünen" befinden und einen Garten haben, schon deshalb, weil Tina sich über den bisherigen Balkon hinaus verbessern wollte. Sie sollte in ruhiger Gegend, nicht an einer Hauptstraße, (eher Gartenhaus) gelegen sein und trotzdem einen guten Zugang für Lastentransport bieten, denn ich pendelte mit meinem Büro und Video-Studio wöchentlich zwischen Nordfriesland und Berlin hin und her. Das bedeutete, daß ich einmal in der Woche fünf bis sechs Sackkarren voll Ordner und Geräte auf einfachem Wege zum Auto und zurück befördern mußte. Diese zusätzliche Forderung für eine Wohnung in der Innenstadt von Berlin war die größte Unverschämtheit in unserem Wunschgebilde.

Die anderen Begleitumstände, Infrastruktur der Gegend, Nachbarn, Vermieter etc. fielen dagegen sichtlich ab, denn genug Läden hat es in der Innenstadt immer und eine weniger hundekotverseuchte Gegend als das Neuköllner Kietz findet sich allemal. Auch mit Vermietern sollte zu reden sein. Was aber noch sehr wichtig schien, war eine entspannte Parkplatzsituation auf dem öffentlichen Straßenland.

Nach Aufzählung dieser Einzelheiten konnten unsere Freunde nur mit dem Kopf schütteln, zumal wir diese Wohnung zu einem bestimmten Zeitpunkt forderten, der mit den Kündigungsterminen von Tinas alter Wohnung und meinen gerade genutzten Geschäftsräumen bestens harmonierte. Wir erzählten einigen wenigen Leuten von unserem Wunsch und hängten ihn ansonsten in die Matrix. Diese benötigte etwa zwei Wochen für ein Angebot.

Tinas Mutter sagte eines Tages: "Ich weiß ja nicht so genau, was ihr wirklich vorhabt, aber wollt ihr euch nicht wenigstens meine Wohnung mal ansehen?"

"Wie, welche Wohnung?" sagte ich und Tina: "Ach, deine alte Eigentumswohnung, die liegt doch in Reinickendorf, wer will da schon hin?"

"Na, kuckt sie euch doch wenigstens mal an. Sie ist seit einem Monat frei und ich habe mich noch nicht um einen Nachmieter kümmern können. Hier sind die Schlüssel. Es ist Gartenhaus parterre und da gehört auch eine Terrasse dazu."

Ich verspürte ein unterschwelliges Kribbeln, hielt mich aber zurück. "Nagut, machen wir dann am Sonntag, so als Nachmittagsausflug."

Wir waren nicht davon überzeugt, daß uns hier etwas Reelles ins Haus stand, wollten aber Tinas Mutter nicht vor den Kopf stoßen. Also fuhren wir tatsächlich hin. Es war ein warmer, sonniger Sonntagnachmittag. Wir bogen in die Pankower Allee ein ("Was, das gehört auch zu Reinickendorf?") und fanden sofort einen Parkplatz vor der Tür. Die Straße war mit dichten Bäumen bestanden und auch vor und um die Wohnblocks gab es kleinere bis größere Gärten. Tina begann, albern zu kichern, als ich feststellte, daß wir wahrscheinlich deshalb sofort einen Parkplatz gefunden hatten, weil die meisten Wohnanlagen noch einen extra großen Parkplatz auf dem zugehörigen Grundstück hatten, eine Einrichtung, die besonders von Wohnungsbaugenossenschaften der sechziger Jahre bevorzugt wurde.

Wir stiegen aus. Der Haupteingang führte ins Vorderhaus, und das Gartenhaus konnte man nur durch Überwindung einer steilen, hohen Treppe, einmal rauf, einmal runter, erreichen. Doch, was war das, da rechts daneben? Gehörte die Einfahrt auch zu diesem Wohnblock? "Die Einfahrt" führte in leichtem Rollstuhlgefälle unter dem Vorderhaus hindurch, stieß auf leicht gewundene, gepflasterte Wege im Innenhof und man erreichte schließlich die Tür zum Gartenhaus. Genau drei Stufen und man stand in der tatsächlich bezugsfertigen Eigentumswohnung von Tinas Mutter.

"Das ist ja ein sehr einfacher Weg mit der Sackkarre," sagte ich und Tina kicherte wieder.

"Das ist doch wohl noch nicht die Entscheidung, oder?" meinte sie. "Ich will erst dieses Stück Garten sehen, von dem meine Mutter gesprochen hat."

Wir durchquerten die großen drei Zimmer der Wohnung und traten auf eine Terrasse hinaus. Der Garten war nicht groß, aber er gehörte zur Wohnung. Um eine mit Steinplatten belegte Terrasse herum gab es etwas Rasen und ein paar Blumenbeete, alles sogar etwas malerisch angelegt. Es war völlig ausreichend für unsere Ansprüche.

"Was soll die Wohnung denn kosten?" fagte ich. "Zwölfhundert warm," antwortete Tina und grinste unverschämt. Wir gingen zurück in die Wohnung. Hier gab es einen Dämpfer. Sie war zwar bezugsfertig, aber in diesem Zustand wollte Tina nicht einziehen. Sie störte sich an den häßlich abgehangenen Decken und am abgewirtschfteten Dielenboden. "Da werden wir einiges tun müssen..."
"Also nehmen wir die Wohnung?"

"Laß uns erstmal die Umgebung anschauen."

Wir hatten schon bemerkt, daß die Wohnung etwas in der Einflugschneise des Flughafens Tegel lag, aber das war nicht so aufdringlich, zumal Fenster und Türen dicht schlossen. Und schließlich lag Tinas bisherige Wohnung direkt neben dem Flughafen Tempelhof. Da waren schon die Probeläufe der Turbinen gut hörbar. Unweit dieser Wohnung war auch gerade ein kleines Geschäftsflugzeug in ein Wohnhaus gestürzt. So gefährlich lag die neue Wohnung nicht. "Man kann nicht alles haben," sagt man oft zur Entschuldigung. Wir stellten fest, daß wir uns bei unserem Wünschen um diesen Aspekt nicht gekümmert hatten. Dafür hielt die Matrix ein paar zusätzliche Anbiederungen für uns parat, was wir bei der Begehung des Wohnumfeldes bemerkten.

Insgesamt war das Wohnviertel sehr von Grün durchzogen, breite Streifen und Plätze zwischen den Wohnblocks, alte Bäume, Parks, große Spielplätze. Wenig Hundekot, was wohl von den vielen offen zugänglichen Grünanlagen herrührte.

Türkischer Imbiß und Pizzeria in moderater Nähe und an der Ecke ein Kino. Es war das älteste und letzte "Vorstadtkino" Berlins, wie alles in dieser Gegend scheinbar in den sechziger oder siebziger Jahren stehengeblieben. Ich faßte dies als weiteren Rippenstoß der Matrix auf. Aber auch für Tina hatte sie etwas bereit. Direkt in der gleichen Straße befand sich nicht nur ein ALDI-Markt, sondern auch ein großes Geschäft der Futterhaus-Kette, wo Tina immer für Ihre Katzen einkaufte und sogar eine Kundenkarte hatte. Wenn wir diese Wohnung nähmen, bräuchte sie nicht mehr weit in der Gegend herumzukurven, um für alle einzukaufen. Und alles nur ungefähr 15 Autominuten vom Berliner Zentrum entfernt. Nach einem Tag Nachdenken beschlossen wir, die Matrix nicht länger zu strapazieren und die Wohnung zu nehmen. Es gab noch viele andere positive Kleinigkeiten und auch die Terminplanung war optimal. Das Einzige, was erhebliche Probleme bereitete, war die Herstellung von Tinas Wunschzustand in der Wohnung, das Herausreißen der abgehängten Decke und der neue Fußboden in allen Zimmern. Aber das war wirklich unser Problem, ließ uns das Universum wissen, das hätten wir eben auch bedenken sollen.

Diese Geschichte ist verbrieft und kann von vielen Zeugen bestätigt werden. Es war die erste Wohnung, die wir uns ansahen und wir hatten tatsächlich keinerlei Anstalten gemacht, zu suchen. Sie war uns förmlich aufgedrängt worden. Zufall? Bißchen viel von dieser Sorte.

Soll ich ein wenig nachlegen? Kein Problem. Wir hatten nun nämlich die Matrix als Helfer akzeptiert. Aus den vielen Ereignissen, die mir spontan einfallen, und von denen ich einige sicher noch an passender Stelle einflechten werde, erscheint ein Vorfall besonders bunt; vielleicht deshalb, weil er noch nicht lange zurückliegt. Knapp einen Monat bevor ich dies hier schrieb, begab es sich, daß ich in der Berliner Wohnung wieder einmal befand, daß der Müll rausgebracht werden müßte. Ich nahm also Flaschenkorb und Restmülltüte und machte mich auf den Weg - genau, in jene Unterführung, durch die ich immer mit der Sackkarre fuhr und wo auch die Müllkästen stehen. Nach der erfolgreichen Müllverbringung fiel mir auf, daß ich keinen Schlüssel mitgenommen hatte. Er steckte noch innen in der Wohnungstür. Kein Problem, dachte ich, Tina ist ja noch in der Wohnung. Ich klingelte außen am Straßeneingang um ihr zu sagen, daß sie einfach mal auf den Türöffner drücken sollte.

Dann wäre ich sofort reingekommen und hätte diese Geschichte auch nicht erzählen können. Was aber tat die Gute, als sie selbst kurz nach meinem Hinausgehen bemerkte, daß ich keinen Schlüssel mitgenommen hatte?

Sie nahm ihren eigenen Schlüssel und kam zum Mülldurchgang entgegen, um mir dort persönlich zu öffnen. Wie aufmerksam von ihr, aber als wir zurück an der Wohnungstür anlangten, stellten wir fest, daß nun wiederum ihr Schlüssel völlig nutzlos war, um hineinzukommen. Mein Schlüssel steckte nämlich noch von innen. So kann man kein normales Sicherheitsschloß von der Außenseite öffnen.

"Tja, da brauchen wir wohl einen Schlüsseldienst," sagte ich, nachdem wir nachgeschaut hatten, daß auch tatsächlich alle Fenster und die Terrassentür sorgfältig geschlossen waren. "Wenigstens hast du den Herd ausgemacht, bevor du herauskamst. Aber das wird jetzt vermutlich doch teuer."

Mittlerweile hatten wir die Nachbarin herausgeklingelt, aber sie konnte auch nicht viel weiterhelfen, außer mit der Aussage, daß dieses Malheur der Vormieterin auch schon mal passiert sei, und daß sie natürlich gern ihr Telefon zur Verfügung stellen würde. In diesem Moment öffnete sich die Tür zum Gartenhaus und ein Mann trat schwungvoll ein, einen Packen Zeitschriften schwenkend.

"Ha, ausgesperrt, was?" grinste er. Nun, das war ja nicht zu übersehen. "Da müßt ihr zwei Finger breit über der Klinke so schräg reinbohren und dann mit dem Schraubenzieher den Schnapper zurückdrücken."

Tina und ich sahen uns an und die Nachbarin kuckte auch ziemlich entgeistert. "Wieso," fragte Tina, "kommen Sie etwa vom Schlüsseldienst?"

"Nicht ganz, ich habe dort nur früher gearbeitet, und deshalb weiß ich das alles."

Schnell holte unsere Nachbarin eine Bohrmaschine und eine Kollektion Schraubenzieher. Ich stellte derweil fest, daß an der Tür, genau am richtigen Platz, schon eine Bohrung existierte. Die war wohl noch von dem früheren Ereignis zurückgeblieben. Schnell stieß ich mit einem kleinen Schraubenzieher hinein, aber ich traf irgendwie nur auf das Schloß selbst.

"Da müßt ihr ein bißchen größer bohren, bis ihr rankommt!" tönte der Zeitschriftenbote, als er die Treppe wieder herunterkam, jetzt ohne den Packen.

"Viel Spaß, ist garnicht schwer!" und er verschwand wieder durch die Tür zum Vorderhaus. Ich nahm einen etwas größeren Bohrer, erweiterte das Loch, stieß mit einem größeren Schraubenzieher nach und wir waren wieder drin.

"Was macht eigentlich ein Zeitschriftenbote, der früher mal beim Schlüsseldienst gearbeitet hat, abends kurz vor neun mit einer Lieferung ausgerechnet bei uns im Hinterhaus?"
"Na, du hast ihn doch gerufen!"
"Ich? Nee, du!"
Wir lachten befreit, denn als wir draußen standen, hatten sich zu unseren Wünschen nach Öffnung der Tür doch einige Emotionen hinzugesellt. Hatten wir damit etwa unseren Wunsch verstärkt? Wenn wir ehrlich waren, hatten wir auch irgendwie erwartet, daß sich eine schnelle, billige Lösung anbieten würde. Aber irgendwie war es doch ein Ernstfall gewesen, und wir hüten uns weiterhin, ganz wie in diesen so wunderbar moralisch edukativen Märchen, die Matrix aus Spaß anzurufen, oder nur um eine wissenschaftlich-akzeptierte Laborwiederholung herzustellen.

In der parapsychologischen Fachliteratur spricht man von "Synchronizitäten", wenn solche "Zufälle" kolportiert werden. In der Esoterik-Szene sagt man kurz "Zufälle gibt’s nicht! Alles hat einen Zusammenhang." Viele meiner Bekannten sagten: "Alles Quatsch. Du bist kein Skeptiker und du kannst auch nichts mit wissenschaftlichen Erkenntnissen untermauern. Zufall bleibt Zufall."

Wenn ich jetzt widerspreche, müssen wir uns für eine anstehende Beweisführung leider auf die sogenannte Ochsentour begeben. Ich bin durchaus ein Skeptiker, aber ich registriere Ereignisse, und das tat ich auch schon früher. Und ich schaue mich um, was die wissenschaftliche Welt an Erklärungen bereithält. Mittlerweile halte ich für bewiesen, daß man mit PSI arbeiten kann, bin aber absolut skeptisch, wenn mir auf der anderen Seite jemand verspricht, alles sei möglich. Es gibt harte Gesetze für die Vollbringung von Wundern, und diesen Standpunkt kann ich belegen.

Um aber dorthin zu gelangen, benötige ich jetzt ein paar weitere Kapitel, muß teilweise noch einmal ganz von vorn anfangen, die Ochsentour eben. Aber es lohnt sich.

Manfred Jelinski