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Leseprobe
Die Angst
nach dem ersten Mal
oder
Die Erfolgsfalle
Sie haben Ihre
erste Sitzung abgehalten. Sie gehören vielleicht zu den Menschen,
denen es angeboren ist, einfach akzeptieren zu können, was
Sie erlebt haben. Ja?
Sind Sie einer
derjenigen, die einem Außerirdischen, wenn er denn Sonntagnachmittag
mit seinem Raumschiff in Ihrem Garten gelandet ist, einen Tee anbieten?
Dann brauchen Sie nicht weiterzulesen.
Oder Sie haben die Sitzung verpatzt und finden das alles absoluten
Quatsch. Auch dann brauchen Sie nicht weiterzulesen. Sie haben es
noch besser: Sie können das Buch beiseite legen oder betrachten
nun alles unter dem Aspekt: "Kuriose Splittergruppen im neuen
Jahrtausend" oder so ähnlich.
Es wird eine Menge Menschen von Ihnen geben, die aber Ihre erste
Sitzung hinter sich gebracht haben und sich DANN fragen, was da
eigentlich passiert ist und warum. Die vielleicht auch ein bißchen
Angst vor dem Stattgefundenen empfinden.
Vielleicht hatten
Sie in Ihrer ersten Sitzung eine alte gotische
Kapelle als Target. In der ersten Sitzung wurde Ihr Verstand ganz
einfach überrumpelt. Alles war neu für ihn und er hat
weniger Chance als später, erfolgreich dazwischenzufunken.
Sie produzieren mehrere Treffer, wie zum Beispiel Stein, grau, quaderförmig,
menschengemacht, viel Mühe und Arbeit darinnen, groß,
muffig, Holz, rauh, gerade usw.
AULs könnten Turm, Gebäude, altes Gebäude etc. sein.
Sie haben ein liegendes und daneben stehendes Rechteck gemalt.
Nach der Sitzung öffnen Sie den Umschlag und betrachten diese
wunderbare alte Kirche. Genau in diesem Moment hat Ihr Verstand
ein riesiges A-ha Erlebnis.
Er erlebt nicht nur, wo der Hase langläuft (am Ende der Sitzung
wird geguckt und verglichen), nein, in diesem Augenblick haben Sie
einige bevorzugte Bahnen im Kopf erschaffen. Darauf wird noch gesondert
einzugehen sein.
Jetzt beginnt
erst einmal das Gegängel, daß Sie noch in allen Facetten
kennen lernen werden, sobald Sie Remote Viewing ernsthaft angehen.
Ihr Verstand
ist aktiv. Im Regelfall wird der eine Menge anzubieten haben, von
Zufall über Betrug und Manipulation, bis hin zum Relativieren
ihrer Ergebnisse.
"War ja auch nicht so schwer!" oder "Stein ist ja
überall drinnen!" so ähnlich könnten seine Rettungsversuche
lauten. Sie brauchen über das stehende Rechteck gar nicht "bimmbamm"
gekritzelt haben. Er würde es galant ignorieren.
Dabei ist er
schon vollständig abgestürzt. Er kann sich nicht erklären,
wieso das erste Target ihren Aufzeichnungen entsprach und weil er
der "Herr Oberlehrer" ist, kann er das natürlich
nicht akzeptieren. Also werden Zweifel gesät. Wenn dann gar
nichts mehr übrig bleibt, ist es eben die Unwiederholbarkeit
des Erfolges beim nächsten Mal. "OK. Ging halt zufällig.
Ging eben irgendwie, aber NOCHMAL geht das garantiert nicht!"
Da stecken wir also wieder einmal mittendrin in einem dieser Teufelskreise
des Remote Viewing.
Da wird eine
Erwartungshaltung produziert und ein Erfolgsdruck aufgebaut. Die
Garanten einer mißlungenen Sitzung. Wo bleibt die Intuition,
die Spontaneität? Sie sind verschüttet unter dem Geröll
der Zweifel.
Mir ging es
genauso. Ich habe es "die Angst nach dem ersten Mal" getauft.
Fast war ich soweit zu sagen: "Alles klar. Hat geklappt. Es
kann nun nur noch schlechter werden. Ich weiß jetzt, es geht!"
In mir war aber
einfach auch das Gefühl, ja, fast die Gier nach einem neuen
Target und beides hielt sich in etwa die Waage.
Gold wert sind
nun Gespräche und Leute an die Sie sich wenden können.
Menschen, die Ihnen helfen, ein Stück dieses ungeheuerlichen
Vorganges zu verarbeiten und sich mit den Selbstzweifeln auseinander
zusetzen.
Wenn Sie alleine
arbeiten, wird es nun sehr schwer. Lassen Sie sich zwei Tage Zeit
und führen Sie entgegen der Zweifel eine neue Sitzung durch.
Geht die in die Hose, hat Ihr Verstand, was er brauchte und Sie
können ein Stück freier die dritte Sitzung angehen. Es
wird ein Balanceakt werden, bis Sie vor sich selbst akzeptieren
können, Ideogramme zu malen und Eigenschaften einer Linie herauszuschreiben.
Finden Sie alles gar nicht so wild? Ist ja nicht so schwer, das
vor sich zu akzeptieren?
Super: wenn
das alles so normal ist, schlage ich vor, morgen, sobald Sie Ihren
Nachbarn auf der Straße treffen, mal ganz unbefangen zu erzählen,
was Sie so alles aus Linien herausdeuten, wie die sich anfühlen
und wie prima farbig Ihnen ihr Bleistiftgekrakel so vorkommt. Zur
Verdeutlichung können Sie ja ihr Ideogramm mitnehmen, oder
besser, eines der gestochen scharfen Stufe 3 Gemälde. Also,
meine sahen immer so aus, als hätte ein unter Verfolgungswahn
Leidender seinen Irrweg durch die Stadt skizziert, um die Verfolger
abzuschütteln...
Schicken Sie mir bitte ein Foto seines Gesichtes mit.
Ok. Sie stehen
wahrscheinlich doch noch nicht so ganz dahinter.
Der beste Tipp
bleibt hier: Einfach weiter. Es wird von Ihrer Hartnäckigkeit
und Zielstrebigkeit abhängen, diese erste gewaltige Hürde
zu überspringen. Wenn Sie fünf Sitzungen daneben liegen,
hören Sie eine zeitlang auf. Sobald Sie wieder Lust haben,
lesen Sie in Ruhe die Handbücher. Überprüfen Sie
noch einmal, ob Sie formale Fehler begangen haben - nicht mehr.
Tja. Mein alter Mathelehrer hatte die ekelhafte Angewohnheit, falsche
Aufgaben mit den Worten "Nochmal neu!" zu kommentieren.
Es hilft nichts.
Fangen Sie von vorne an und ran geht's!
Sobald Sie nach
der Sitzung zwar die gelungenen Ergebnisse zur Kenntnis nehmen mußten,
aber kurz darauf spürten, daß sich eine nicht näher
bezifferte Angst einschleicht, eine Frage, ob Sie das dürfen
oder ob es natürlich ist, stecken wir mitten in einem anderen
Dilemma. Religiös betonte Menschen könnten sich fragen,
ob es Satanismus oder eine Irrlehre ist, Sie also vom gottgewollten
Weg abkommen, erscheint es doch geheimnisvoll und mysteriös,
was da geschah. Irgendwie scheint das mit Gläserrücken
oder Pendeln zu tun zu haben.
Nach dem Negieren des Ergebnisses - einer rein ratiolastigen Reaktion,
führen uns derartige Gedankengänge weit zurück in
unser schematisch angelerntes Urverhalten: vielleicht kennen Sie
ja den beliebten Trick, einen angreifenden Schäferhund mit
einem per Knopfdruck aufzuklappenden Schirm in die Flucht zu schlagen.
Tatsächlich funktioniert er. Die Erlebenswelt des Hundes kann
den plötzlichen Daseinszustand des Schirmes von lang und schmal
in diese riesige Fläche vor seiner Nase nicht umsetzen und
erklären. Zugleich ist die Schnelligkeit dieser Handlung für
ihn erschreckend. Dieses Ereignis löst bei ihm instinktiv Furcht
und damit instinktive Flucht aus.
Vielleicht erging es Ihnen gerade wie dem Hund. Sie wurden mit einem
Bereich tangiert, den Sie nicht kennen, nicht erklären können,
der geheimnisvoll und vielleicht bedrohlich wirkt, denn das Unbekannte
konfrontiert Sie direkt und unerbittlich. Auch wir Menschen handeln
nach dem instinktiven Raster des ersten Fluchtimpulses. Dem allerdings
steht ein mächtiger Gegner entgegen, der in sämtlichen
Lehrbüchern zum Training des Lernens immer wieder hervorgehoben
wird: die Neugier. Sie treibt und motiviert uns, weiterzulernen.
Wir Menschen sind offensichtlich neugieriger als ängstlich.
Irgendwann aber,
wenn Sie hartnäckig genug sind - und damit meine ich schon
die ersten 10 Sitzungen - geht es in eine Gewohnheit über.
Diese Gewohnheit erzeugt eine Scheinsicherheit mit der die ersten
wiederholbaren und qualitativen Ergebnisse einhergehen. Und mit
dieser ersten Klippe, dem Gefühl "über den Berg zu
sein", es geschafft zu haben, laufen Sie schon wieder mitten
ins Tal herein...
Jetzt abzuspringen
wird schwerer. Sie haben schon zu viel erlebt. Sie haben den Zucker
gekostet. Sie möchten mehr. Qualitativere Daten, genauere Beschreibungen.
Sie sind auf dem Weg alles besser machen zu wollen. Jede Sitzung
soll mehr bringen. Genau dann erwischt es Sie wahrscheinlich ganz
kalt und eine Sitzung geht schon wieder komplett daneben.
Die Gewohnheitsfalle
Sie praktizieren
nun schon einige Zeit Remote Viewing und sind mit den Ergebnissen
insgesamt zufrieden. Sie haben damit begonnen, sich eine Art Handwerkzeug
zurechtzulegen und haben Vorlieben ausgebildet. Vielleicht gefallen
Ihnen in Stufe 2 die Geräusche besonders gut, weil Sie bemerken,
wie diese Sie an einer Art Schnur zum Target führen oder Sie
mögen das spontane Herausmalen von Formen, weil Sie da eine
Resonanz bemerken.
Ganz nach den individuellen Eigenarten sucht nun jeder selbst nach
dem Weg durch das Dickicht.
Dabei tappen
viele schon in die nächste Falle. Die weiter oben schon angesprochenen,
bevorzugten Bahnen.
Überlegen wir doch einmal, wie wir bislang gelernt haben. Zum
Beispiel das Autofahren. Die ersten Stunden mag es unmöglich
sein, den Schleifpunkt der Kupplung zu finden und Sie bewegen das
Auto beim Starten sprunghaft nach vorne. Irgendwann haben sie zum
fünften, sechsten Mal getroffen und Sie können sich einem
neuen Problem zuwenden. Zum Beispiel, daß Sie die Bremse treten,
sobald Sie eine rote Ampel in unmittelbarer Nähe vor sich sehen.
Auch das werden Sie bald intus haben und es geht zum nächsten
Problem. Und so weiter.
Unser Gehirn funktioniert bei Lernprozessen scheinbar wie ein Stapelverarbeitungsprogramm.
Alles was erlernt wurde, wird einsortiert, mit einem netten Etikett
auf der Schublade versehen, und ist abgehakt.
Was Remote Viewing
angeht, kann man das Viewen an sich nicht in den konventionellen
Bahnen lernen. Sie lernen nur ein Gespür für unterschiedliche,
am besten sehr viele verschiedene Gedanken zu finden.
Das Protokoll, ja, das können Sie auswendig lernen, bis es
wie das Autofahren in Fleisch und Blut übergegangen ist. Aber
das ist nicht einmal ein Zehntel der Miete.
So. Den Rest
aber, das korrekte Filtern der Daten, DÜRFEN Sie nicht auf
diese Art und Weise lernen. Gewollt ist eben, keinen Boden unter
den Füßen zu haben, ein für den Ratio schlichtweg
unerträglicher Zustand.
Er ist Jahrzehnte darauf programmiert, Gewöhnung mit Lernerfolg
abzuspeichern und nach diesem Muster zu handeln.
Was meine ich
konkret damit?
Bleiben wir beim Beispiel der oben genannten gotischen Kapelle.
Vielleicht hat Ihr Monitor Ihnen auf die ersten Sitzungen zudem
noch ein paar alte Gebäude gegeben.
Dann ist die Gefahr groß, bereits ein Gewöhnungsraster
im Kopf zu haben.
Dieser an sich
irrationale Vorgang basiert auf der Überprüfung von Erlebtem
und Erfolg. Sie hatten in der ersten Sitzung ein großes Bestätigungserlebnis.
Angenommene Dinge stimmten mit der Wirklichkeit überein. Das
macht richtig "BUMM".
Positive Bestätigung lässt uns seit den ersten Kindheitstagen
ein "Richtig - Raster" anlegen.
So funktioniert das seit kleinauf: Mami freut sich immer so unglaublich
und schreit mit lauter Stimme "Klasse! Toll! Gut hast Du das
gemacht.", sobald ich meine Wurst hier in das rote Töpfchen
drücke, das sie mir seit ein paar Tagen da hingestellt hat.
Früher habe ich das immer gleich in die Windel gelegt. Na,
wenn Sie das so toll findet, mache ich das halt so. Ist wohl richtig!"
Unbewußt werden Sie nach den ersten Sitzungsbestätigungen
ganz naiv zum Prinzip "try and error", zum gleichen "richtig
gemacht," zurückkehren.
"Stein
ist gut, rauh ist nicht schlecht, gerade Linien kommen immer gut,
Gebäude sind auch nie ganz verkehrt."
Es verspricht
Ihnen Halt in diesem dimensionslosen Geschäft. Sie wissen zwar
um die Idiotie dieser Annahme, denn natürlich kann heute falsch
sein, was bei der letzten Sitzung der Volltreffer war, aber das
ist gleichgültig, geht es doch um ein unbewußtes Schema.
Wie ein Pawlow' scher Reflex hat es sich irgendwo in den kleinen
grauen Zellen eingenistet.
Wir sollten
uns derartig behindernde Dinge nicht allzu böse nehmen. Es
ist das Muster, mit dem Sie all die Jahre Ihres Lebens nicht nur
sicher über die Straße kamen und sich merkten, daß
kochendes Wasser heiß ist. Sie sind auf die Kombination von
Erfolg und Gewohnheit programmiert. Auf try and error.
Wenn ich mir vorstelle, unser Alltag wäre so geartet, daß
man sich das eine Mal an kochendem Wasser die Finger verbrennt und
morgen an Eiswürfeln, dann hätte ich zwar über die
Jahre eine Offenheit ausgebildet, die bombastisch wäre und
keine Wünsche zum Viewen mehr offen lässt, hätte
aber eine Menge angebrannter Fingerkuppen. Auf nichts wäre
Verlass. Aber um das kurz anzumerken: Vielleicht hätten wir
den siebten Sinn besser ausgebildet, der uns automatisch und direkt
mitteilen würde, daß der Eiswürfel mal heiß
und mal kalt ist.
Aber wie gehen
wir jetzt weiter vor?
Jetzt beginnt
die Krux. Wie treiben wir uns so einen Quatsch wieder aus, ohne
uns in einem Labyrinth von Irrungen zu verlaufen? Denn so sicher
wie das Amen in der Kirche, werden wir mit dieser Fixierung scheitern.
Mag Ihnen nach den ersten Erfolgen ein "AUL Gebäude"
noch so bekannt und zutraulich vorkommen, wie das sympathische "rauh"
aus der 2. Sitzung und der Klassiker "kantig-hart" von
vorgestern, fragt man sich doch andererseits, ob man hier Fehlern
aufsitzt.
Schließlich
ist es nicht unmöglich, daß Sie bei der nächsten
Sitzung wie mit 2,0 Promille auf dem Ideogramm herumfahren, während
da ein "rauh" aus dem Nichts auftaucht. Jetzt fragen Sie
sich natürlich, ob Sie es als AUL werten oder aber als gültig
niederschreiben. Schließlich könnte ja der Verstand dahinterstecken!
Was jetzt? "Mache ich ein AUL davor, kann es falsch sein, nehme
ich es in die Ergebnisliste rein, wird es auch nicht besser. Ich
kann nicht jedes einmal benutzte Wort nie mehr zulassen. Auch Unsinn.
Es ist zwar kein richtiges AUL, schließlich ist der Eindruck
nicht komplex, obwohl, das rauh das ich spürte......"
Sie ahnen, wo die Lösung liegt. Nein?
Während Sie darüber auch nur eine halbe Sekunde in der
Sitzung grübeln, haben Sie schon verloren. Denn Sie sind nicht
mehr bei der Sache. Man kann es nur betonen. Ihr Job ist doch, einfach
nur Eindrücke herauszuschreiben. Also tun Sie es auch. Überlegen
Sie auch nicht. Sie kommen sowieso zu keiner Erkenntnis, ob jetzt
Ihre rechte oder linke Hirnhälfte das Wort "rauh"
oder den Eindruck "rauh" erschuf.
Da Sie niemals in Ihrem Leben mehr wissen werden, wie das gerade
nun funktioniert hat, keinen einzigen Menschen mehr treffen werden,
der es Ihnen sagen kann und selbst das Gelöbnis die nächsten
20 Jahre in einem buddhistischen Mönchskloster zu verbringen,
um auf diese Frage eine Antwort zu erhalten, zu keinem sicheren
Ergebnis führen wird, konzentrieren Sie sich doch einfach auf
Ihre Aufgabe. Wir stellen uns dumm, was bedeutet: "rauh"
ist ein absolut geltender Eindruck. Nicht komplex, kein AUL, ab
in das Ergebnis und WEITER.
Ich hatte mit
dieser Sache anfangs die größten Probleme. Nicht, daß
ich mich noch heillos im Irrgarten verlaufen hätte.
Zusätzlich machten wir den Fehler, daß, motiviert durch
unsere Liebe zu alten Gebäuden, fast nur Treffer in den ersten
vier bis fünf Sitzungen herauskam. Alles war immer eckig, quaderförmig,
steinig-porös, steil, gerade, hoch und breit, grau - und am
besten noch mit althessischem Schieferdach, ungefähr 1756 von
Johann Müller gedeckt, und gerade erneuert..
Bombenmethode.
Heute frage ich mich natürlich, wie man so blöd sein konnte.
Man hätte auch die letzte Sitzung kopieren können. Dann
macht man wenigstens nicht so einen Rabatz um das Ganze.
Das Elend begann, als mir das erste Mal die Nahaufnahme eines Wales
als Target serviert wurde.
Haben Sie schon einmal einen eckigen, harten, quaderförmigen,
alt-römischen Wal gesehen, der auf einer Wiese steht?
Bis dahin hatte
ich schon sehr starke Prägungen angelegt, hatte ein Muster
und Gewohnheitsschemata im Kopf, mit dem ich noch heute, Monate
später kämpfe. Noch immer fällt mir das viewen alter
Gebäude wesentlich leichter, als irgendetwas anderes.
Bis jetzt hatte ich lediglich dieses Problem, daß mir nur
durch einen cleveren, ausgebufften, mit allen Wassern gewaschenen,
genialen und medial begabten, gutaussehenden und charmanten Monitor
wieder genommen werden konnte. Einen, der mich quält. Wer war
da besser geeignet, als, sie ahnen es - meine Freundin. Begünstigt
durch ihre hochintelligente und sensible Art, wußte sie nach
dem Rechteckwal-Desaster, was geschehen mußte. Der Mann brauchte
unterschiedliche Targets. Auch Sie sollten also am Besten von vornherein
möglichst offen gehaltene Sitzungen anstreben. Deshalb schicken
Sie den Viewer durch verschiedene Targets. Sie sollten nicht nur
für Abwechslung sorgen, sondern die Targets auch fördernd
einsetzen. Wie Sie in der oben dargelegten Ägypten-Sitzung
sehen, habe ich ein Target gewählt, das dem Viewer mit mehr
Wahrscheinlichkeit einen Erfolg verspricht. Es liegt inmitten der
persönlichen Vorlieben, was den individuellen Kontakt erleichtern
müßte; es ist ein Objekt mit sehr viel Aura, da es nicht
nur mit extremem Energieaufwand errichtet wurde, sondern auch heute
noch unzählige Menschen dorthin reisen und den Ort durch ihr
Erstaunen und die Verblüffung aufladen läßt. Und
es ist zusätzlich ein Ort mit vorhandenen Extremen, da es bei
den Pyramiden von Gizeh sehr heiß ist. Jede sehr auffällige
Eigenschaft des Targets hilft dem Viewer, Verbindung zu finden.
Insgesamt also die besten Voraussetzungen für eine leichte
Grundschulaufgabe im Remote Viewen.
Nach einer erfolgreich verlaufenen Sitzung können Sie durchaus
ein Objekt wählen, das schwieriger ist, oder bei dem zu erwarten
ist, daß der Viewer kein gesteigertes Maß an Interesse
daran hegt. Schließlich soll er lernen, alle Dinge - ob sie
Ihm gefallen oder nicht - zu beschreiben.
Achten Sie peinlich darauf, nach keinem nachvollziehbaren Gesetz
bei der Auswahl zu handeln. Dies könnte schließlich auch
darin bestehen, so peinlich auf Abwechslung fixiert zu sein, daß
die Abfolge zweier gleichartiger Zielobjekte in den Sitzungen hintereinander
niemals gewählt wurde und insgeheim als verlässlich angesehen
wird. Also darf die Auswahl der Targets dann auch nicht so unterschiedlich
sein, daß er genau weiß, sobald ein Tier als Target
gewählt wurde, kommt kein zweites. Erst Recht nicht als folgende
Sitzung. Die Auswahl der Targets geschieht also sehr bedacht und
orientiert sich am Lernstand des Viewers.
Günstigstenfalls muß es also durch den Monitor so durchdacht
sein, daß es aus der Sicht des Viewers wieder so zufällig
wie ein Roulette Spiel oder die Ziehung der Lottozahlen erscheint.
Also hat die Auswahl des richtigen Targets entscheidenden Einfluß
auf den Lernverlauf und das innere Gleichgewicht des Viewers. Mit
jeder Vorahnung oder Polung, jeder noch so geringen Fehlinformation,
reißen Sie Ihn aus der erwünschten Neutralität.
Diese Wechselduschen sind ein wenig wie das alte römische Herrschaftsgebot
von Zuckerbrot und Peitsche.
Die Lehre daraus:
Ein Viewer muß auch gequält werden. Unterschiedliche
Motive sollten, gerade in der Anfangszeit, herangezogen werden.
Er darf sich auf nichts verlassen können. Er darf nichts ahnen.
Ansonsten schicken Sie Ihn in eine Hölle aus Selbstzweifeln.
Jetzt befinden wir uns aus seiner Sicht vor dem Sitzungsbeginn inmitten
eines großen Glücksspieles - und das ist genau so gewünscht.
Die Sanitäterfalle
oder
Mut zum Untergang
Nach der Sitzung
standen wir auf der Terrasse und blickten in die Sterne. Es war
eine wundervolle Nacht. Davon sah ich leider wenig. Ich war am Boden
zerrüttet. Meine Targetbeschreibung entsprach der Genauigkeit
altschlesischer Bauernregeln: sie war vollkommen daneben. Schnell
entbrannte eine Diskussion über Hilfen.
"In Stufe 2 hättest du doch sagen können, konzentriere
dich etwas mehr auf den inneren Teil, dann wäre ich nie soweit
abgekommen!"
"Klar. Hätte ich. Was würde es bringen? Du kommst
von selbst darauf oder nicht!"
"Hm!"
Ja. Das war sie. In ihrer trockenen und beinharten Art hatte sie
es wieder einmal auf den Punkt gebracht. Es stimmt ja.
"Blödsinnige Methodik. Der Kram geht nicht! Punkt und
um. Der Abend ist fast vorüber - verschenkt - ja?!? - unnötig
verschenkt!! - und raus kam nichts - nur Mist - nur Mist !!!!"
"Wenn du Bockmist machst, dann schiebe es nicht auf das Protokoll.
Hatte der Eisberg schuld, daß die Titanic sank? Das Protokoll
ist schuld? Für mich war es die Titanic. Sie kann schneller
fahren, ausweichen, was auch immer. Du hättest umdenken können.
Also: etwas mehr Rückgrat. Stelle dich auf die Brücke
deines gerade untergehenden Schiffes, lege die Hand an die Mütze
und bewahre etwas mehr Haltung."
Die hat gut reden, dachte ich mir, die hat ja lauter Volltreffer
bisher und grinsen tut sie auch noch. Die kennt ja nicht das Gefühl,
mit der Hand über das Fell einer Kuh zu streichen, die frische
Almluft zu riechen, nur um zu erfahren, daß das Target die
Innenaufnahme einer Flughafenwartehalle ist. Wenigstens stand da
eine Frau mit Pelz (nein - kein Kuhfell, aber wer weiß, wie
die wirklich roch?) Aber diese Gedanken identifiziert jeder, der
sich mit der Methode einigermaßen auseinandersetzt, einfach
und richtig als "Frohschwätzerei". Nicht "on
Target". Punkt.
"Ich gehe jetzt ins Bett!"
Senken wir hier den Vorhang über die unerfreuliche Szenerie
und wenden wir uns dem Thema "Hilfen" zu.
Ihr Viewer schreibt
gerade begeistert und voll motiviert vermeintlich falsche Sinneseindrücke
heraus und produziert reihenweise AULs, die nicht im entferntesten
dem Target entsprechen? Sie wollen dem Viewer etwas auf den Sprung
helfen? Jede "Hilfe", wie das Tunneln herausgeschriebener
Daten, das Umlenken seiner Aufmerksamkeit auf das richtige Bild
im Briefumschlag, wird dazu führen, daß:
u das Sitzungsergebnis
nicht zufriedenstellend, da fragwürdig geworden ist, denn die
komprimierten Daten basieren schließlich auf einer sachlichen
Beeinflussung der Person, die das Ziel kannte;
u der objektiv
erzielte Erfolg des Viewers geschmälert wird. Er hat es nicht
ohne Hilfe geschafft und weiß das nur zu gut. Sind Sie gerade
in der Anfangsphase des Lernens, kann es mit etwas Skepsis sogar
dazu führen, die Methode anzuzweifeln. Spätestens jetzt
haben Sie eine Negativspirale in Gang gesetzt: Remote Viewing geht
nur mit Schummeln, heißt es dann schnell - mit den entsprechenden
Auswirkungen.
"Hättest
du nicht gesagt: "Schau doch einmal, ob du einen Turm siehst",
wäre ich da nie drauf gekommen!"
Was soll man dazu sagen? Der Viewer hat zwar nur bedingt Recht,
denn schließlich ist ihm unbekannt, was er während der
Sitzung noch geviewt hätte, aber er liegt mit der Grundaussage
vollkommen richtig. Er kann sich auf das gemeinsame Ergebnis einfach
nicht verlassen. Er hat es nicht selbst erarbeitet. Es wurde ihm
vor die Nase gesetzt.
Genaugenommen
haben Sie nur zwei Chancen vertan: erstens während der regulär
abgehaltenen Sitzung doch noch einen echten Erfolg zu erzielen (mit
den entsprechenden Auswirkungen auf Ihr Gefühl, die Selbstbestätigung
und die Motivation) und, falls die Sitzung vollkommen in die Hose
gegangen wäre, in der Nachschau den Fehler zu finden und sich
dessen bewußt zu werden, daraus zu lernen.
Meine Empfehlung ist, durch diese Hölle aus verpatzten und
guten Sitzungen hindurchzugehen.
Ich las auch
von der Empfehlung, den Viewer mit "gut", "läuft
prima" und ähnlich gehaltenen Allgemeinplätzen zu
bestärken.
Auch dem stehe ich eher skeptisch gegenüber. Sicherlich sagen
diese kleinen Positivverstärker nichts, aber auch gar nichts
aus, gefährden also nicht die Moderationsrolle des Monitors.
Sie bleiben dennoch gefährlich:
Ich malte in
einer der ersten Sitzungen fleißig auf dem Ideogramm umher.
Die Zunge im Mundwinkel und immer schön mit dem Stift auf der
Linie bleibend.
"Super. Klasse machst Du das!"
?!?
Was will sie gerade von mir? Male ich jetzt "Super-Klasse"
auf der Linie rum? Sie mag ja Miro und solchen Kram, vielleicht
gefällt ihr das Ideogramm?
"Schatz, ich male nach der Sitzung bißchen bunt dazu
und wir hängen es neben Deinen Mirodruck, ok?!"
Wir beide lachten und freuten uns.
In einem Satz:
Wir waren abgelenkt. Ja. Die Sitzung erfährt dadurch eine positiv
entspannte Atmosphäre. Augenscheinlich aber wird der Viewer
auch schnell aus der Konzentration gerissen.
Schlimmer noch
ist die Gefahr, mit einer "kleinen Aufmunterung" Gedankenkreisläufe
in Gang zu setzen. Sie wissen als Monitor nicht definitiv, wie stabil
Ihr Viewer am Target ist. Er schreibt in Stufe 2 gerade ein "rauh"
und "kantig" heraus. Gerade jetzt sagen Sie:
"Weiter so, wir arbeiten uns doch prima ran!" Alles nichtssagende
Satzhülsen, ja.
Ihr Viewer allerdings
fragt sich, weshalb er ein Lob GERADE JETZT bekam, zeitgleich mit
dem Herausschreiben seiner Erkenntnisse. Ist das Haupttarget etwa
kantig und groß? Ein Gebäude? Bing-bong!
Wenn er jetzt nicht aufpasst, hat er blitzschnell einige AULs in
seinem Unterbewußtsein. In jedem Fall aber animiert es Ihn,
über die Interaktion gerade nachzudenken oder gar die Begriffe
zu hinterfragen. Ist er protokollerfahren und aufmerksam, schreibt
er nun "AUL Gebäude" heraus.
Vermeidbare Zusatzarbeit. Schnell aber wird er mit seinem aktivierten
"siebten" Sinn auf eine Fährte gelockt. Er setzt
unbewußt eine Spirale von Assoziationen in Gang, die Ihnen
als Monitor vollkommen entgehen werden, die Sie nicht einmal ahnen
und damit auch nicht kontrollieren können. Vielleicht kommt
er durch diese "Hilfe" gerade auf ein vollkommen falsches
Gleis und dampft unbemerkt von dannen. Sie mögen richtigerweise
einlenken, daß einfach nicht protokollkonform geholfen wurde,
Sie Ihre Monitorrolle nicht verletzten und die Gedanken des Viewers
ja gerade nicht Ihre Sache sind. Bei komplizierteren Naturen unter
uns kann ein deplaziertes Lob aber, ähnlich wie der Flügelschlag
des Schmetterlings in Südamerika, der zum Sturm über Europa
führt, zum Scheitern der Sitzung führen.
Gerade in den ersten Sessions fühlt man sich als Viewer genauso
unsicher, wie es die Wettervorhersagen sind. Diese innere Destabilität
lässt Sie wahrscheinlich JEDE Information von außen in
einem unbekannten Maß neu gewichten. Ob Sie das wollen oder
nicht. Der - um im Bild zu bleiben - wie die Titanic unweigerlich
untergehende Ratio - wird nach jedem Lösungsversuch aus dem
Dilemma schielen.
Wenn Sie als
Monitor der festen Überzeugung sind, die Sitzung entgleist
in einem frühen Stadium, können Sie abbrechen und nach
einer kleinen Pause erneut mit dem Schreiben der Koordinaten und
einem frischen Zielkontakt beginnen. Das ist möglich und regulär.
Auch gegen das Nachfahrenlassen bestimmter Ideogrammbestandteile
zur Festigung bestimmter Eindrücke ist nichts zu sagen. Aber
bedenken Sie bitte, daß dies alles nur Verfahrenshilfen sind.
Weiterhin haben
sie die Möglichkeit über stetiges "hm-hm" eine
Atmosphäre der Sicherheit zu schaffen. Der Viewer bemerkt hierbei,
daß er scheinbar "ganz gut arbeitet". Durch den
häufigen - ja andauernden Gebrauch, dieses "hm-hm"
bleibt ihm jedoch keine Chance seine Daten mit Ihrer (scheinbaren)
Zustimmung zu verknüpfen. Schließlich kann und wird er
auch nicht nachfragen, ob dieses "hm-hm" nun inhaltlich
bejahend, oder verfahrensbedingt ist.
So blöd es klingt, kann man mit diesen sinnlosen Brummtönen
eine Sitzung sehr gut kontrollieren.
Nein. Ich bin
kein Freund von konkreten Hilfen. Sie verwirren nur, lenken ab.
Da die Wahrnehmungsschwelle ohnehin heruntergefahren ist, bemerken
Sie den Erfolg der Sitzung vielleicht ohnehin an der knisternden
Spannung im Raum, kurzen und schnellen Regieanweisungen des Monitors
und dergleichen.
Ich denke, die
maximal zulässige Hilfe besteht in der Auswahl von "Leckerchen
Targets". Ziele also, die der Interessenlage des Viewers entsprechen
und bei denen er voraussichtlich ein Haufen Spaß haben wird.
Das führt
uns zu einem hochinteressanten Effekt des Remote Viewing!
Lesen
Sie weiter in: "Geheimnisse
des Remote Viewing" von Frank Köstler
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