Stellen Sie
sich doch bitte vor, sie seien Remote Viewer. Zu Ihrem außergewöhnlichen
Talent gesellen sich vielleicht noch einige hilfreiche Apparaturen,
die mit Ihren Schläfenlappen verbunden werden und für ausreichende
Theta - Wellen im Gehirn sorgen, so dass Sie sozusagen immer sauber
„auf Kurs“ oder nah „on target“ gehalten
werden. Automatisch. Ohne Anstrengung oder offene Konzentration.
Sagen wir, Sie müssten sich nur einigermaßen gelassen in einen
Stuhl setzen, die Maschine anstellen und der Rest käme von ganz
allein. Mit dem Start Knopf entlässt man Sie in den „Äther“,
die „Akasha Chronik“, die „Matrix“, das
„Jenseits“ – wo auch immer hin – wichtig
ist nur – wir meinen dieses alles speichernde Energiegebilde,
um das sich das gesamte Buch dreht. Sie bereisen also etwas wie
die „innere Welt“, vielleicht auch den Kern der Wahrheit,
wird Ihnen doch alles Wissen zuteil, dass einmal durch eines Wesen
Bewusstsein wahrgenommen wurde und nun im Gebilde wie eine Datei
auf der Festplatte zur Verfügung steht. Vielleicht vertreiben
Sie sich ein wenig die Zeit, um beim Pyramidenbau zu verweilen,
währenddessen Sie mit der Schnelligkeit eines Gedankens die antiken
Konstruktionspläne einsehen können, danach an den Einweihungszeremonien
teilnehmen, mit Überlichtgeschwindigkeit in das 18. Jahrhundert
fliegen, um zu sehen, wie Grabräuber in das Innere des Bauwerkes
vordringen. Beinahe gleichzeitig haben Sie das alles erlebt und
durch die Hilfe des Gerätes durften Sie alle Szenarien nicht nur
messerscharf betrachten, anhalten oder einzelne Szenen zurückspulen,
sondern auch die Geräuschkulisse erinnert Sie doch sehr an Ihren
letzten Kinoaufenthalt, als der Betreiber seine neue digitale
Boxenanlage einweihte. Interessant auch, wie Sie Informationen
abrufen konnten. Sie dachten nur über die Frage nach, welche Bausubstanzen
verwandt wurden und schon hatten Sie, ähnlich einem Computerprogramm
und der Maschine sei es gedankt, sämtliche Örtlichkeiten an denen
Material für den Bau abgeschlagen wurden in einer Auflistung parat,
verfolgten die Diskussionen der Architekten in der Planungsphase,
hörten die Erörterungen welche Vor- und Nachteile Sandstein und
Granit beim Bau erbringen würden – kurz – die gesamte
Historie bezogen auf Ihre Frage nach den Bausubstanzen liegt vor
Ihnen.
Vielleicht
sind Sie es nun leid und beschließen doch etwas Übersichtlicheres
zu bereisen. Die Vita eines Menschen zum Beispiel, seine gesamte
innere Biographie. Alles was er dachte, fühlte, was ihn sorgte
und freute. Schließlich ist jeder einzelne Gedanke, jeder Person
Teilsystem des großen Energiegebildes und damit vorhanden. Ja,
sein ganzes Leben möchten Sie in einer Art inneren Schau seiner
Person einmal betrachten. Ich schlage vor, sie reisen nun in das
Innere von Mahatma Ghandi. Auch dort werden Sie die Themen nicht
chronologisch abrufen müssen, sondern können nach beliebigen Stichworten
vorgehen: „Kampf“ könnte eines heißen, „Freudige
Erlebnisse“ ein weiteres, aber auch „Abendessen am
04.06.1964“. Alles ist da und durch unsere großartige Maschine,
wird auf Knopfdruck wieder eine Auflistung vor Ihrem geistigen
Auge erscheinen.
Das wird es
bald geben.
Es ist Teil
unserer Realität.
Sie werden
nur keine Remote Viewing Ausbildung dafür benötigen und auch kein
inneres Abbild vor Augen haben. Sie werden dann auf einen Monitor
blicken. Auf einen ganz gewöhnlichen, normalen Monitor. Mehr nicht.
Phantasie?
Nein.
Science Fiction?
Nein.
Genau daran
wird gearbeitet. Es wird daran gearbeitet, den gesamten geistigen
Fußabdruck einzelner Menschen in riesengroßen Computern zu speichern.
Sozusagen eine elektronisches bitbasierendes Plagiat der Matrix
anzufertigen. Jeder Gedanke, jede Emotion, alles was der Mensch
roch und spürte, was er dachte, empfand, las und sah, soll dort
zunächst gesammelt werden, bevor es mit Datenhierarchien miteinander
in Beziehung gesetzt wird. So wird es möglich sein, auf ein einziges
Stichwort hin, hunderte Treffer quer über seine doch chronologisch
erworbenen Kenntnisse zu erlangen. Vollkommen neue Einblicke über
den Menschen, seine Verhaltens- und Reaktionsmuster verspricht
man sich von diesem Projekt. Für mich hat dieses Vorhaben nur
eine Bedeutung: die technische Kopie unserer Matrix wird gerade
in Angriff genommen.
Wer sollte
die Kapazitäten und das Know How haben, so etwas zu beginnen?
Das Pentagon
hat seine Forschungsabteilung, die „Defense Advanced Research
Projects Agency“, kurz Darpa, angewiesen, im Rahmen des
Projektes „Lifelog“, ein künstliches multimodales
Gedächtnis zu entwickeln, das alles erfasst, einordnet und abrufbereit
aufarbeitet, was ein Mensch erlebt.
Zuletzt sorgte
die Darpa durch ihr Überwachungsprogramm „Total Information
Awareness“, kurz TIA, für erheblichen Wirbel. Hier sollten
global alle finanziellen Transaktionen und Kommunikationen vieler
Menschen gesammelt und ausgewertet werden, indem man verdächtige
Muster ermittelt und sondiert. Die Wellen der Aufregung schlugen
noch etwas höher, als dieses Projekt zusätzlich mit dem Symbol
eines allwissenden Auges versehen wurde. Der Kongress stoppte
das Projekt. Zu groß war die Befürchtung, es könne gegen Amerikaner
verwandt werden und beschränkte es auf das Ausland. Es steht seitdem
unter strenger Kontrolle.
Darpa war
es auch, die nach der wahren künstlichen Intelligenz des Menschen
sucht und ihre Ausschreibung vornehmlich an Neurologen, Psychologen
und Philosophen richtete. Gesucht sind intelligente Systeme, die
über ihre Umwelt samt anderen Systemen, ihre Fähigkeiten und Ziele
nachdenken können. Außerdem sollten sie auf natürliche Weise mit
Menschen interagieren und kommunizieren können. Sie sollten nicht
nur durch Erfahrung lernen, sondern auch überzeugt und unterrichtet
werden können. Wem das alles noch nicht genug ist: ihre Gedanken
sollten sie sprachlich erklären und in Teams mit Menschen und
Robotern kooperieren können, also teamfähig sein.
Der Direktor
der Abteilung für informationsverarbeitende Systeme in der Darpa,
KI Wissenschaftler Ronald Bachman äußerte sich folgendermaßen:
„Wir wollen über fundamentale, nicht über schrittweise Verbesserungen
nachdenken: Wie können wir einen Quantensprung nach vorne machen?...Wenn
wir Erfolg haben, können wir die Welt auf tiefgreifende Weise
verändern.“
Nun also wird
das Projekt „Lifelog“ ins Leben gerufen und die Abteilung
„Information Processing Technology Office“ (IPTO)
sucht Vorschläge um ein (Sub)System zu entwickeln, das den Wahrnehmungsfluss
einer Person in der Welt und die Interaktionen mit ihr erfasst,
speichert und zugänglich macht. Man möchte die Teilabschnitte
des Lebens eines Menschen in seiner Vollständigkeit und im Hinblick
auf Ereignisse, Zustände und Beziehungen verfolgen können.
Das System
soll aus drei Komponenten bestehen. Es soll überall und immer
Daten speichern und erfassen können. Es soll die Daten abstrahieren
und präsentieren können und schließlich Datenzugriff bieten, sowie
ein Benutzerinterface haben. Bereits im letzten Band habe ich
darüber nachgedacht, wie man die Matrix verfälschen könnte, dass
es jedoch derart handfest und rationalisiert geschehen könnte,
wenngleich die Größe des Projektes im Vergleich zur vorhandenen
Matrix verschwindend gering ist, hätte ich niemals zu träumen
vermocht. Das System soll also einen „Datenzugriff“
bieten können. Natürlich, so möchte man meinen. Verbindet man
diese Aussage mit der Feststellung, die Systeme sollten lernbereit
und überzeugbar sein, haben wir es mit klassischen Manipulationen
an der elektronisch abgespeicherten Wahrnehmungswelt des Individuums
zu tun. Das bedeutet nichts anderes, als das abgebildete Erinnerungsvermögen
zu verfälschen, vereinfacht gesagt, genau so, wie Sie ein Word
Dokument am PC „korrigieren“.
Benutzer des
Lifelog Systemes, also die Testpersonen, sollen visuelle, auditive,
physikalische und haptische Sensoren mitführen, die über die mitgetragene
Hardware erfasst werden. Über GPS, Trägheitssensoren und einem
digitalem Kompass wird die Orientierung und der Aufenthaltsort
der Person erfasst. Sensoren werden auch die körperlichen Zustände
registrieren. Alle Interaktionen der Person mit der Außenwelt
über emails, Surfen, das Benutzen von Computerprogrammen und Führen
von Telefongesprächen werden in geeigneten Formaten gleich mitgespeichert.
Auch sogenannte Kontextdaten werden erfasst: Radiohören, Fernsehen,
Zeitungen, Bücher, Magazine, Werbeschilder oder der Zugriff auf
Datenbanken.
Diesen Datenwulst,
möchte man, da Lifelog keine „Bewusstseinsschwelle“
kein selektives Aufmerksamkeitssystem haben wird, geschickter
lösen. Der beständig anfallende Datenstrom von Inputereignissen
soll direkt in die bereits erwähnten „Ereignisse und Zustände“
umgesetzt werden. An was erinnert sie dieses ungefilterte Aufnehmen
aller Daten? Vielleicht an die Matrix? Alles was gedacht und getan
wird, ist in diesem System abgespeichert. Damit zeigt sich, dass
die Menschheit im Zeitalter billiger Speicherkapazitäten und während
die Techniker immer darauf bedacht waren, nur nötigste Daten zu
speichern, einen Evolutionssprung machen wird: geizte man früher
mit Speicherplatz, so soll er nun grenzenlos aufgenommen werden.
Eine totale Umkehrung der Datenphilosophie kündigt sich dort an.
Auch soll es Episoden mit Anfang und Ende geben, um das Computergehirn
nicht in einem Schlamm unnutzer ungeordneter Daten versinken zu
lassen, sondern alles zu ordnen.
Auf diese
Art würden über die Zeit des Einsatzes, Datenhierarchien gebildet,
sowie bedeutungsvolle Erinnerungs- und Datenstränge geschaffen.
Das Programm gäbe Auskunft über Gewohnheiten, Beziehungen zu andere
Menschen, Orten und Objekten (objects und topics!).
Wenn viele
Menschen Lifelog benutzen würden, so Darpa, könne man diese über
das System auch direkt miteinander interagieren lassen. Zum Beispiel
bei Forschungen über Assistenten aller Art, indem Informationen
des Zentralsystems direkt an Einzelpersonen weitergegeben würden.
Der „Geistesblitz“ die „Idee“ wird der
Planung unterworfen. Sie ist auch nicht mehr nötig. Sucht ein
Wissenschaftler nach einem neuen Arzneimittelwirkstoff wird er
nicht mehr, wie Einstein noch vor 50 Jahren behaupten müssen,
erst einmal ein Stündchen zu schlafen, damit das Unterbewusstsein
kreativ mit den Daten spielen kann (und sich an die Matrix andockt
– Anm. des Autors), sondern er bekommt die passenden und
helfenden Gedanken online von seinem Kollegen aus China.
Während wir
beim Lesen derartiger Presseverlautbarungen noch ungläubig mit
dem Kopf schütteln und klar zwischen Realität und Scheinrealität
zu unterscheiden meinen, verfließen die Grenzen in Wahrheit doch
immer weiter.
Wie auch Ihr
Gehirn, wird diese elektronische Erinnerungsmaschine nicht chronologisch
speichern, sondern mit Themenbezug oder anderen Ordnungsbegriffen.
Anders gesagt werden komplette Gedankenstränge und Handlungsmuster,
die über Jahrzehnte ergänzt wurden, binnen Sekundenfrist und urplötzlich
miteinander verwoben einsehbar sein und neue kreative Sichtweisen
einer Entwicklung, ihrer Ursachen oder Konsequenzen ergeben. Genau
so, wie Sie vielleicht manchmal über ihr Leben philosophieren
und die Frage „Was wäre geschehen wenn…?“ stellen.
Ich stelle diesen allzu natürlich anmutenden Gedanken hier deshalb
heraus, weil unsere alltägliche Wahrnehmungswelt dem entgegenläuft.
Ganz so wie in den Theorien über die Realität weiter vorne im
Buch. Wenn wir zur Bushaltestelle laufen, erfolgt die Wahrnehmung
dieses Ereignisses chronologisch und wir benötigen dafür ca. 10
Minuten. Denken wir aber darüber nach, sinnieren wir über dieses
Ereignis, kann eine Sekunde zu Stunden werden, oder der ganze
Tag in einer Sekunde verschmelzen – so wie es in dem Programm
von Darpa beabsichtigt ist.
Weder unser
Gehirn, noch das von Darpa zu entwickelnde Computerprogramm arbeiten
chronologisch, während unsere als allgemein akzeptierte Weltsicht
hübsch von 1 nach 2, 15 nach 16 Uhr ablaufen. Was ist und was
wird die Scheinrealität von morgen sein?
Vielleicht
sind wir der Lösung des Problemes schon sehr nah. Nach dem heutigen
Stand der Physik wissen wir, dass unser Zeitempfinden und die
Messbarkeiten der klassischen Physik wenn überhaupt, nur ein Teil
der Realität sein können, während wir bereits Maschinen, Systeme,
Programme entwickeln, die ebenfalls zeitlos denken werden. Nicht
umsonst habe ich die Matrix weiter vorne bereits mit einer simplen
Suchanfrage im internet verglichen. „Ereignisse und Zustände“
nennen die Darpa Wissenschaftler ihre Ordnungsstruktur. Ich benannte
sie z.B. nach dem Buch „Horizont“. Aber nie geht es
um die zeitliche Einordnung, obwohl dies doch einfachstes und
pragmatischstes Ordnungskriterium gewesen wäre. Dahinter steckt
die Erkenntnis, dass unser Sein unendlich verwobener ist, als
es eine bloße Aneinandereihung einer Lebensvita über ihre zeitliche
Einordnung und als Abfolge von Ereignissen von der Geburt bis
zum Tod, simulieren würde und angemessen widerspiegeln könnte.
Dahinter steckt ebenfalls das Wissen, unser Gehirn arbeitet multidimensional,
multikausal, holographisch und es hat für jede Interaktion mit
der Umwelt viele Kausalitäten und Auslöser. Im ersten Band verglich
ich das Gehirn hinsichtlich seiner Funktionen und Denkschemata
mit einem Miniabbild der Matrix. Und das Erleben genau so eines
Gehirnes soll nun durch die Forschungsabteilung des Pentagon auf
Festplatten gespeichert, hinsichtlich der Funktionen erforscht,
und neu verknüpft werden. Eine Minimatrix auf Festplatte.
Das wäre –
schon 2003 nach Christus – ein Meilenstein auf dem Weg eines
autonomen künstlichen (Welt)Gedächtnisses. Von Menschen erschaffen
und mit terrabytes voller Daten. Wie würde der Erfolg eines solchen
Projektes in 100 Jahren mit seinen Weiterentwicklungen aussehen?
Wie die Matrix, die wir bereisen? Alles korrespondiert mit Allem
und immer.
Sollte dies
gelingen, ist dieses Projekt vergleichbar mit der Matrix. Nur
das Medium, der Datenträger, ist ein elektronischer, und er ist
unendlich kleiner, da ihm alle Individuen hinzugefügt werden müssten,
um eine vollkommene, wenngleich noch nicht multidimensionale Abbildung
zu erhalten. Aber auch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz,
ihre Wahrnehmung von sich - des Bewusstseines – könnte einen
Quantensprung nach vorne tun.
Was dann Realität
und Scheinrealität ist, bleibt eine – wesentlich hartnäckigere
und unbequemere Frage – als sie es heute zu sein scheint,
in der einige Remote Viewer in der Matrix Informationen erlangen,
mit dem hiesigen Weltbild abgleichen, und Differenzen entdecken.
Remote Viewer
holen Daten aus der Zukunft oder der Vergangenheit. Viele Menschen
erleben deja vu’s oder bemerken in einem Millisekundenbruchteil
mit einem seltsamen Gefühl, was gleich passieren wird. Sind dies
angesichts unseres physikalischen Weltbildes „Wunder“
oder aber Tore in die eine und vollkommene Wirklichkeit? Wenn
ich feststellte, ein chronologisches Ordnungskriterium ist unlogisch,
weil unpraktikabel, hatte das den Hintergrund, unsere Welt, dieses
Ordnungssystem und unser Alltagsverständnis der Wirklichkeit zu
überdenken. Vielleicht sind diese Synchronizitäten Fehler in der
Matrix, die als chronologische Scheinrealität erschaffen ist.
Remote Viewer bezeichneten Targets auf Engel immer wieder mit
„Dimensionsarbeitern“, die hart schuften. Wesen, die
ständig damit beschäftigt sind, den Schleier unserer als „wahr“
erkannten Zeit- und Weltsicht zu stricken, auf das wir alle bequem
und unwissend weiter in ihm leben können. In 100 Jahren entpuppen
sich die „Engel“ vielleicht als Wissenschaftler des
Pentagon, die fleißig mit dem Design der Wirklichkeit beschäftigt
sind. Aber das ist natürlich pure Science Fiction.
Der Spielfilm
„Matrix“ treibt derartige Gedanken auf den Höhepunkt
und formuliert unsere Welt als Scheinrealität, hinter der die
Meister der Matrix damit beschäftigt sind, unsere Wirklichkeit
zu konstruieren.
Wohin begäben
sich dann Remote Viewer? Ins Jenseits oder kommen sie von dort
und wandern zum Diesseits, zur Wahrheit?
Was wäre,
wenn die Welt in der wir leben Illusion und Lüge ist? Bloße Staffage?