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Frank Köstler

Die Matrix des Pentagon
Diesseits und Jenseits Beginnen wir diesen unglaublichen Text doch einmal mit einem Gedankenexperiment.

Stellen Sie sich doch bitte vor, sie seien Remote Viewer. Zu Ihrem außergewöhnlichen Talent gesellen sich vielleicht noch einige hilfreiche Apparaturen, die mit Ihren Schläfenlappen verbunden werden und für ausreichende Theta - Wellen im Gehirn sorgen, so dass Sie sozusagen immer sauber „auf Kurs“ oder nah „on target“ gehalten werden. Automatisch. Ohne Anstrengung oder offene Konzentration. Sagen wir, Sie müssten sich nur einigermaßen gelassen in einen Stuhl setzen, die Maschine anstellen und der Rest käme von ganz allein. Mit dem Start Knopf entlässt man Sie in den „Äther“, die „Akasha Chronik“, die „Matrix“, das „Jenseits“ – wo auch immer hin – wichtig ist nur – wir meinen dieses alles speichernde Energiegebilde, um das sich das gesamte Buch dreht. Sie bereisen also etwas wie die „innere Welt“, vielleicht auch den Kern der Wahrheit, wird Ihnen doch alles Wissen zuteil, dass einmal durch eines Wesen Bewusstsein wahrgenommen wurde und nun im Gebilde wie eine Datei auf der Festplatte zur Verfügung steht. Vielleicht vertreiben Sie sich ein wenig die Zeit, um beim Pyramidenbau zu verweilen, währenddessen Sie mit der Schnelligkeit eines Gedankens die antiken Konstruktionspläne einsehen können, danach an den Einweihungszeremonien teilnehmen, mit Überlichtgeschwindigkeit in das 18. Jahrhundert fliegen, um zu sehen, wie Grabräuber in das Innere des Bauwerkes vordringen. Beinahe gleichzeitig haben Sie das alles erlebt und durch die Hilfe des Gerätes durften Sie alle Szenarien nicht nur messerscharf betrachten, anhalten oder einzelne Szenen zurückspulen, sondern auch die Geräuschkulisse erinnert Sie doch sehr an Ihren letzten Kinoaufenthalt, als der Betreiber seine neue digitale Boxenanlage einweihte. Interessant auch, wie Sie Informationen abrufen konnten. Sie dachten nur über die Frage nach, welche Bausubstanzen verwandt wurden und schon hatten Sie, ähnlich einem Computerprogramm und der Maschine sei es gedankt, sämtliche Örtlichkeiten an denen Material für den Bau abgeschlagen wurden in einer Auflistung parat, verfolgten die Diskussionen der Architekten in der Planungsphase, hörten die Erörterungen welche Vor- und Nachteile Sandstein und Granit beim Bau erbringen würden – kurz – die gesamte Historie bezogen auf Ihre Frage nach den Bausubstanzen liegt vor Ihnen.

Vielleicht sind Sie es nun leid und beschließen doch etwas Übersichtlicheres zu bereisen. Die Vita eines Menschen zum Beispiel, seine gesamte innere Biographie. Alles was er dachte, fühlte, was ihn sorgte und freute. Schließlich ist jeder einzelne Gedanke, jeder Person Teilsystem des großen Energiegebildes und damit vorhanden. Ja, sein ganzes Leben möchten Sie in einer Art inneren Schau seiner Person einmal betrachten. Ich schlage vor, sie reisen nun in das Innere von Mahatma Ghandi. Auch dort werden Sie die Themen nicht chronologisch abrufen müssen, sondern können nach beliebigen Stichworten vorgehen: „Kampf“ könnte eines heißen, „Freudige Erlebnisse“ ein weiteres, aber auch „Abendessen am 04.06.1964“. Alles ist da und durch unsere großartige Maschine, wird auf Knopfdruck wieder eine Auflistung vor Ihrem geistigen Auge erscheinen.

Das wird es bald geben.

Es ist Teil unserer Realität.

Sie werden nur keine Remote Viewing Ausbildung dafür benötigen und auch kein inneres Abbild vor Augen haben. Sie werden dann auf einen Monitor blicken. Auf einen ganz gewöhnlichen, normalen Monitor. Mehr nicht.

Phantasie? Nein.

Science Fiction? Nein.

Genau daran wird gearbeitet. Es wird daran gearbeitet, den gesamten geistigen Fußabdruck einzelner Menschen in riesengroßen Computern zu speichern. Sozusagen eine elektronisches bitbasierendes Plagiat der Matrix anzufertigen. Jeder Gedanke, jede Emotion, alles was der Mensch roch und spürte, was er dachte, empfand, las und sah, soll dort zunächst gesammelt werden, bevor es mit Datenhierarchien miteinander in Beziehung gesetzt wird. So wird es möglich sein, auf ein einziges Stichwort hin, hunderte Treffer quer über seine doch chronologisch erworbenen Kenntnisse zu erlangen. Vollkommen neue Einblicke über den Menschen, seine Verhaltens- und Reaktionsmuster verspricht man sich von diesem Projekt. Für mich hat dieses Vorhaben nur eine Bedeutung: die technische Kopie unserer Matrix wird gerade in Angriff genommen.

Wer sollte die Kapazitäten und das Know How haben, so etwas zu beginnen?

Das Pentagon hat seine Forschungsabteilung, die „Defense Advanced Research Projects Agency“, kurz Darpa, angewiesen, im Rahmen des Projektes „Lifelog“, ein künstliches multimodales Gedächtnis zu entwickeln, das alles erfasst, einordnet und abrufbereit aufarbeitet, was ein Mensch erlebt.

Zuletzt sorgte die Darpa durch ihr Überwachungsprogramm „Total Information Awareness“, kurz TIA, für erheblichen Wirbel. Hier sollten global alle finanziellen Transaktionen und Kommunikationen vieler Menschen gesammelt und ausgewertet werden, indem man verdächtige Muster ermittelt und sondiert. Die Wellen der Aufregung schlugen noch etwas höher, als dieses Projekt zusätzlich mit dem Symbol eines allwissenden Auges versehen wurde. Der Kongress stoppte das Projekt. Zu groß war die Befürchtung, es könne gegen Amerikaner verwandt werden und beschränkte es auf das Ausland. Es steht seitdem unter strenger Kontrolle.

Darpa war es auch, die nach der wahren künstlichen Intelligenz des Menschen sucht und ihre Ausschreibung vornehmlich an Neurologen, Psychologen und Philosophen richtete. Gesucht sind intelligente Systeme, die über ihre Umwelt samt anderen Systemen, ihre Fähigkeiten und Ziele nachdenken können. Außerdem sollten sie auf natürliche Weise mit Menschen interagieren und kommunizieren können. Sie sollten nicht nur durch Erfahrung lernen, sondern auch überzeugt und unterrichtet werden können. Wem das alles noch nicht genug ist: ihre Gedanken sollten sie sprachlich erklären und in Teams mit Menschen und Robotern kooperieren können, also teamfähig sein.

Der Direktor der Abteilung für informationsverarbeitende Systeme in der Darpa, KI Wissenschaftler Ronald Bachman äußerte sich folgendermaßen: „Wir wollen über fundamentale, nicht über schrittweise Verbesserungen nachdenken: Wie können wir einen Quantensprung nach vorne machen?...Wenn wir Erfolg haben, können wir die Welt auf tiefgreifende Weise verändern.“

Nun also wird das Projekt „Lifelog“ ins Leben gerufen und die Abteilung „Information Processing Technology Office“ (IPTO) sucht Vorschläge um ein (Sub)System zu entwickeln, das den Wahrnehmungsfluss einer Person in der Welt und die Interaktionen mit ihr erfasst, speichert und zugänglich macht. Man möchte die Teilabschnitte des Lebens eines Menschen in seiner Vollständigkeit und im Hinblick auf Ereignisse, Zustände und Beziehungen verfolgen können.

Das System soll aus drei Komponenten bestehen. Es soll überall und immer Daten speichern und erfassen können. Es soll die Daten abstrahieren und präsentieren können und schließlich Datenzugriff bieten, sowie ein Benutzerinterface haben. Bereits im letzten Band habe ich darüber nachgedacht, wie man die Matrix verfälschen könnte, dass es jedoch derart handfest und rationalisiert geschehen könnte, wenngleich die Größe des Projektes im Vergleich zur vorhandenen Matrix verschwindend gering ist, hätte ich niemals zu träumen vermocht. Das System soll also einen „Datenzugriff“ bieten können. Natürlich, so möchte man meinen. Verbindet man diese Aussage mit der Feststellung, die Systeme sollten lernbereit und überzeugbar sein, haben wir es mit klassischen Manipulationen an der elektronisch abgespeicherten Wahrnehmungswelt des Individuums zu tun. Das bedeutet nichts anderes, als das abgebildete Erinnerungsvermögen zu verfälschen, vereinfacht gesagt, genau so, wie Sie ein Word Dokument am PC „korrigieren“.

Benutzer des Lifelog Systemes, also die Testpersonen, sollen visuelle, auditive, physikalische und haptische Sensoren mitführen, die über die mitgetragene Hardware erfasst werden. Über GPS, Trägheitssensoren und einem digitalem Kompass wird die Orientierung und der Aufenthaltsort der Person erfasst. Sensoren werden auch die körperlichen Zustände registrieren. Alle Interaktionen der Person mit der Außenwelt über emails, Surfen, das Benutzen von Computerprogrammen und Führen von Telefongesprächen werden in geeigneten Formaten gleich mitgespeichert. Auch sogenannte Kontextdaten werden erfasst: Radiohören, Fernsehen, Zeitungen, Bücher, Magazine, Werbeschilder oder der Zugriff auf Datenbanken.

Diesen Datenwulst, möchte man, da Lifelog keine „Bewusstseinsschwelle“ kein selektives Aufmerksamkeitssystem haben wird, geschickter lösen. Der beständig anfallende Datenstrom von Inputereignissen soll direkt in die bereits erwähnten „Ereignisse und Zustände“ umgesetzt werden. An was erinnert sie dieses ungefilterte Aufnehmen aller Daten? Vielleicht an die Matrix? Alles was gedacht und getan wird, ist in diesem System abgespeichert. Damit zeigt sich, dass die Menschheit im Zeitalter billiger Speicherkapazitäten und während die Techniker immer darauf bedacht waren, nur nötigste Daten zu speichern, einen Evolutionssprung machen wird: geizte man früher mit Speicherplatz, so soll er nun grenzenlos aufgenommen werden. Eine totale Umkehrung der Datenphilosophie kündigt sich dort an. Auch soll es Episoden mit Anfang und Ende geben, um das Computergehirn nicht in einem Schlamm unnutzer ungeordneter Daten versinken zu lassen, sondern alles zu ordnen.

Auf diese Art würden über die Zeit des Einsatzes, Datenhierarchien gebildet, sowie bedeutungsvolle Erinnerungs- und Datenstränge geschaffen. Das Programm gäbe Auskunft über Gewohnheiten, Beziehungen zu andere Menschen, Orten und Objekten (objects und topics!).

Wenn viele Menschen Lifelog benutzen würden, so Darpa, könne man diese über das System auch direkt miteinander interagieren lassen. Zum Beispiel bei Forschungen über Assistenten aller Art, indem Informationen des Zentralsystems direkt an Einzelpersonen weitergegeben würden. Der „Geistesblitz“ die „Idee“ wird der Planung unterworfen. Sie ist auch nicht mehr nötig. Sucht ein Wissenschaftler nach einem neuen Arzneimittelwirkstoff wird er nicht mehr, wie Einstein noch vor 50 Jahren behaupten müssen, erst einmal ein Stündchen zu schlafen, damit das Unterbewusstsein kreativ mit den Daten spielen kann (und sich an die Matrix andockt – Anm. des Autors), sondern er bekommt die passenden und helfenden Gedanken online von seinem Kollegen aus China.

Während wir beim Lesen derartiger Presseverlautbarungen noch ungläubig mit dem Kopf schütteln und klar zwischen Realität und Scheinrealität zu unterscheiden meinen, verfließen die Grenzen in Wahrheit doch immer weiter.

Wie auch Ihr Gehirn, wird diese elektronische Erinnerungsmaschine nicht chronologisch speichern, sondern mit Themenbezug oder anderen Ordnungsbegriffen. Anders gesagt werden komplette Gedankenstränge und Handlungsmuster, die über Jahrzehnte ergänzt wurden, binnen Sekundenfrist und urplötzlich miteinander verwoben einsehbar sein und neue kreative Sichtweisen einer Entwicklung, ihrer Ursachen oder Konsequenzen ergeben. Genau so, wie Sie vielleicht manchmal über ihr Leben philosophieren und die Frage „Was wäre geschehen wenn…?“ stellen. Ich stelle diesen allzu natürlich anmutenden Gedanken hier deshalb heraus, weil unsere alltägliche Wahrnehmungswelt dem entgegenläuft. Ganz so wie in den Theorien über die Realität weiter vorne im Buch. Wenn wir zur Bushaltestelle laufen, erfolgt die Wahrnehmung dieses Ereignisses chronologisch und wir benötigen dafür ca. 10 Minuten. Denken wir aber darüber nach, sinnieren wir über dieses Ereignis, kann eine Sekunde zu Stunden werden, oder der ganze Tag in einer Sekunde verschmelzen – so wie es in dem Programm von Darpa beabsichtigt ist.

Weder unser Gehirn, noch das von Darpa zu entwickelnde Computerprogramm arbeiten chronologisch, während unsere als allgemein akzeptierte Weltsicht hübsch von 1 nach 2, 15 nach 16 Uhr ablaufen. Was ist und was wird die Scheinrealität von morgen sein?

Vielleicht sind wir der Lösung des Problemes schon sehr nah. Nach dem heutigen Stand der Physik wissen wir, dass unser Zeitempfinden und die Messbarkeiten der klassischen Physik wenn überhaupt, nur ein Teil der Realität sein können, während wir bereits Maschinen, Systeme, Programme entwickeln, die ebenfalls zeitlos denken werden. Nicht umsonst habe ich die Matrix weiter vorne bereits mit einer simplen Suchanfrage im internet verglichen. „Ereignisse und Zustände“ nennen die Darpa Wissenschaftler ihre Ordnungsstruktur. Ich benannte sie z.B. nach dem Buch „Horizont“. Aber nie geht es um die zeitliche Einordnung, obwohl dies doch einfachstes und pragmatischstes Ordnungskriterium gewesen wäre. Dahinter steckt die Erkenntnis, dass unser Sein unendlich verwobener ist, als es eine bloße Aneinandereihung einer Lebensvita über ihre zeitliche Einordnung und als Abfolge von Ereignissen von der Geburt bis zum Tod, simulieren würde und angemessen widerspiegeln könnte. Dahinter steckt ebenfalls das Wissen, unser Gehirn arbeitet multidimensional, multikausal, holographisch und es hat für jede Interaktion mit der Umwelt viele Kausalitäten und Auslöser. Im ersten Band verglich ich das Gehirn hinsichtlich seiner Funktionen und Denkschemata mit einem Miniabbild der Matrix. Und das Erleben genau so eines Gehirnes soll nun durch die Forschungsabteilung des Pentagon auf Festplatten gespeichert, hinsichtlich der Funktionen erforscht, und neu verknüpft werden. Eine Minimatrix auf Festplatte.

Das wäre – schon 2003 nach Christus – ein Meilenstein auf dem Weg eines autonomen künstlichen (Welt)Gedächtnisses. Von Menschen erschaffen und mit terrabytes voller Daten. Wie würde der Erfolg eines solchen Projektes in 100 Jahren mit seinen Weiterentwicklungen aussehen? Wie die Matrix, die wir bereisen? Alles korrespondiert mit Allem und immer.

Sollte dies gelingen, ist dieses Projekt vergleichbar mit der Matrix. Nur das Medium, der Datenträger, ist ein elektronischer, und er ist unendlich kleiner, da ihm alle Individuen hinzugefügt werden müssten, um eine vollkommene, wenngleich noch nicht multidimensionale Abbildung zu erhalten. Aber auch die Entwicklung der künstlichen Intelligenz, ihre Wahrnehmung von sich - des Bewusstseines – könnte einen Quantensprung nach vorne tun.

Was dann Realität und Scheinrealität ist, bleibt eine – wesentlich hartnäckigere und unbequemere Frage – als sie es heute zu sein scheint, in der einige Remote Viewer in der Matrix Informationen erlangen, mit dem hiesigen Weltbild abgleichen, und Differenzen entdecken.

Remote Viewer holen Daten aus der Zukunft oder der Vergangenheit. Viele Menschen erleben deja vu’s oder bemerken in einem Millisekundenbruchteil mit einem seltsamen Gefühl, was gleich passieren wird. Sind dies angesichts unseres physikalischen Weltbildes „Wunder“ oder aber Tore in die eine und vollkommene Wirklichkeit? Wenn ich feststellte, ein chronologisches Ordnungskriterium ist unlogisch, weil unpraktikabel, hatte das den Hintergrund, unsere Welt, dieses Ordnungssystem und unser Alltagsverständnis der Wirklichkeit zu überdenken. Vielleicht sind diese Synchronizitäten Fehler in der Matrix, die als chronologische Scheinrealität erschaffen ist. Remote Viewer bezeichneten Targets auf Engel immer wieder mit „Dimensionsarbeitern“, die hart schuften. Wesen, die ständig damit beschäftigt sind, den Schleier unserer als „wahr“ erkannten Zeit- und Weltsicht zu stricken, auf das wir alle bequem und unwissend weiter in ihm leben können. In 100 Jahren entpuppen sich die „Engel“ vielleicht als Wissenschaftler des Pentagon, die fleißig mit dem Design der Wirklichkeit beschäftigt sind. Aber das ist natürlich pure Science Fiction.

Der Spielfilm „Matrix“ treibt derartige Gedanken auf den Höhepunkt und formuliert unsere Welt als Scheinrealität, hinter der die Meister der Matrix damit beschäftigt sind, unsere Wirklichkeit zu konstruieren.

Wohin begäben sich dann Remote Viewer? Ins Jenseits oder kommen sie von dort und wandern zum Diesseits, zur Wahrheit?

Was wäre, wenn die Welt in der wir leben Illusion und Lüge ist? Bloße Staffage?

Lesen Sie weiter in: Verdeckte Ziele von Frank Köstler